Gedanken am Rande einer Referatsvorbereitung
Heute halte ich in Germanistik im Literaturseminar Schweizer Dramatik ein Referat zu „Andorra“ – ein Theaterstück nach Brechtschem Vorbild?.
Dabei bin ich auf folgende Passage in Max Frischs Tagebuch gestossen. Am Ende des Semesters passt es zu meiner Befindlichkeit. In drei Wochen ist es an der Zeit wieder eine kleine Reise zu unternehmen!
“Warum reisen wir?
Auch dies, damit wir Menschen begegnen, die nicht meinen, dass sie uns kennen ein für alle Mal; damit wir noch einmal erfahren, was uns in diesem Leben möglich sei - Es ist ohnehin schon wenig genug.Unsere Meinung, dass wir das andere kennen, ist das Ende der Liebe, jedes Mal, aber Ursache und Wirkung liegen vielleicht anders, als wir anzunehmen versucht sind - nicht, weil wir das andere kennen, geht unsere Liebe zu Ende, sondern umgekehrt: weil unsere Liebe zu Ende geht, weil ihre Kraft sich erschöpft hat, darum ist der Mensch fertig für uns.”
In: Frisch, Max [1981]: Tagebuch 1946-1949. Suhrkamp Verlag. Frankfurt am Main, S. 31ff.