Das wilde Leben
“Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust” schrieb einst Goethe in Vers 1112 seines Faust I.
Eine ganze Generation hat versucht diesem anderen, wahren Ich Gehör zu verschaffen, aus der bedrückenden Enge des miefigen Alltags auszubrechen und die eigenen Träume und Phantasien zu leben. Eine Revolution des Seins sollte es werden und eine Totalpolitisierung des Privaten. Der Mensch als sich selbstinterpretierendes Tier findet seinen eigenen Wertehorizont nur im Bekenntnis zur Gemeinschaft und bildet in diesem Wir ein Bewußtsein aus. Credo der Kommune 1.

Hier habe ich erstmals darüber gelesen, daß es Dreharbeiten zum Leben der Kommune 1 gibt, der vermeintlichen Keimzelle der 68er. Bevor ich dann selbst hier darüber gebloggt habe.
Gestern nun habe ich mir den Streifen endlich im Kino angeschaut. Er ist nun vielmehr eine Verfilmung des Lebens eines Mitglieds der Kommune: Uschi Obermaier, gerne auch als Sex-Ikone der 68er bezeichnet und Klischees bedienend!
Während das mit dem Oscar ausgezeichnete LEBEN DER ANDEREN eine realistische Darstellung der 1980er Jahre im Osten Deutschlands zeichnet, bleibt uns die Filmproduktion eine historische Verfilmung eines nicht unspannenden Westjahrzehnts bis dato immer noch schuldig.
Dennoch, wie ich finde, erzählt DAS WILDE LEBEN eine grandiose Geschichte über die Sehnsüchte einer Jugend (”Wir sind alle Musiker!”), für die die Ikone Obermaier Kultstatus hat. Absolut sehenswert, durchaus auch ein zweites Mal! ![]()
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