Gelungene Mediatisierung der FH-Modenschau

hammer_models1.jpg
Photo: Marat Schacht

Eine Modenschau dient der Präsentation von Mode“.

Was die Diplomanden des Trierer FH-Studienganges Modedesign am vergangenen Sonnabend dem zahlreich erschienenen Publikum in der Arena auf dem Laufsteg boten, war dennoch vielmehr. Eine gekonnt medial-inszenierte Darbietung von durchweg hochkarätigen Kollektionen, deren besonderer Charme vor allem in der gelungenen Bandbreite zwischen artifizieller Extravaganz und auf innovativer Fertigungstechnik beruhender Tragbarkeit lag.

catwalk.jpg
Photo: Marat Schacht

Coco Chanel hat einmal gesagt: “Mode ist nicht nur eine Frage der Kleidung. Mode hat etwas mit Ideen zu tun, damit, wie wir leben.”

So ließen sich einige Diplom-Kollektionen von der biographischen Kindheitsgeschichte ihrer Schöpfer inspirieren, die der jeweiligen Kollektion ihren urtümlichen Reiz verlieh.

edit_img_0052.jpg
Photo: Marat Schacht

Das Motto der Kreationen von Sandra Goetz lautete Erzählen heißt Erinnerung bewahren!

In der Begleitbroschüre schreibt sie:

“Meine Kollektion erzählt die Geschichte meiner Großmutter Elisabeth Bensch, die in Schlesien geboren und aufgewachsen ist! Es ist eine Hommage an ihr Modebewußtsein und ihre Schneiderkenntnisse, die von einer ganzen Dorfgemeinschaft in Augenschein genommen wurde!
Entstanden ist eine weibliche Silhouette für selbstbewußte Frauen und die dazu passende Kollektion für ihre Töchter.
Meine Inspirationsquellen sind die 40er & 50er Jahre kombiniert mit den heutigen Modeerscheinungen Polens!”

Melanie Holzhauer wählte als Thema ihrer Diplomarbeit “das übelste Laster unserer heutigen Gesellschaft, die dekadente Verschwendung von Geld, Zeit, Materialien & Liebe” und schreckte nicht davor zurück, uns den subtilen Spiegel mit zahlreichen Accessoires wie Glitzerschnallen und facettierten Münzmandalas vorzuhalten.

Besonders gelungen und artificialiter umgesetzt war die Kollektion des Indonesiers Tasyrif Adnan. Mit Unter Elf setzte er sich kritisch mit dem Thema Gewalt in der Kindheit auseinander.

edit_img_9967.jpg
Photo: Marat Schacht

Zusammen mit Eva Macarie machten wir uns auf “eine Zeitreise angefangen bei den Azteken bis zur heutigen Moderne”, deren Kollektion eine der süßesten Verführungen thematisierte, die der Chocolate.

edit_img_0152.jpg
Photo: Marat Schacht

Chunyang Nings Diplomarbeit visualisierte die Plakate und Werbungen der 1930er Jahre in Shanghai. Er brachte mittels seiner Kreationen den Flair von “Shanghai by Night” auf den Laufsteg.

edit_img_0176.jpg
Photo: Marat Schacht

Mit Just Wannabe präsentierte Lulu Pattiiha nicht nur Mode mit und für Kinder, sondern entwickelte darüber hinaus eine Kollektion, die sich von selbstentworfenen Komikfiguren inspirieren ließ. Hinter ihren Kreationen steht die Geschichte

“von drei lebhaften Schwestern, die den gemeinsamen Wunsch haben, in einer Band zu spielen. Dabei wollen sie unbedingt frei sein und ihren eigenen Stil durchsetzen! Denn sie haben keine Lust auf “nervige Erwachsene”, die mit ihren konservativen Erwartungen versuchen die Kids zu beeinflussen…”

edit_img_0195.jpg

    Die Beiden freuten sich wie Bolle und das Publikum
    applaudierte schon, da waren sie kaum auf dem Laufsteg!

edit_img_0249.jpg
Photo: Marat Schacht

Die mannigfache Themenvielfalt der facettenreichen Kollektionen erinnerte in ihrer Art der Darbietung an die Nummernprogramme der Jahrmärkte um die Jahrhundertwende, was für eine geradezu kunstvolle szenische Umsetzung spricht.

edit_img_0292.jpg
Anke Sieglitz mit OB Klaus Jensen bei der Übergabe des Preises

Höhepunkt des Abends war die erstmalige Auszeichnung der besten Diplom-Kollektion durch eine Honoratiorenrunde bestehend aus lokalen und überregionalen Funktionsträgern in Wirtschaft, Politik und Mode. Dafür hatte die Stadt Trier, vertreten durch ihren OB Klaus Jensen, eigens einen mit 3.000 Euro dotierten Trierer Modepreis ins Leben gerufen. Anhand eines Kriterienkataloges, z.B. inwiefern die Diplom-Kollektion tauglich für eine industriell ausgelegte Massenfertigung ist, kürte das Auswahlgremium Anke Sieglitz zur Preisträgerin. Mit der Bremerin gewann eine Frau aus dem hohen Norden, die ihr Lebensmotto “Hanseat bleibt Hanseat” überzeugend mit ihrer Kollektion verquickte. Diese themasierte denn auch das Leben “hinterm deich gleich links - Norddeutschland für Anfänger: vom Windrad zum Fischmarkt bis zum Strand”.

Näheres zur Kollektion von Anke Sieglitz und zu ihren Zukunftsplänen demnächst im Interview hier auf Jowinal.

Unter den Models entdeckte unsereiner zudem bekannte Gesichter aus dem sonst eher grauen Unikosmos, sodass das jeweilige Kostüm den einen oder die andere plötzlich in einem ganzen anderen Licht erscheinen ließ. ;)

edit_img_0238.jpg
Eine vermummte Maike Thies

edit_img_0262.jpg
Man in black“: Benedikt Bastong

edit_img_0134.jpg
Nadine Thome

edit_img_0213.jpg
Nina Krotten und Hannah Weidgenannt

Fazit: Diese Modenschau war schon ganz großes Kino.

Dennoch: eine Steigerung ist drin.

Weniger was die Kollektionen der Diplomanden betrifft. Vielmehr könnte ein Kooperation zwischen Medienwissenschaftlern und Modedesignern eine einzigartige mediale Inszenierung bewirken. Frei nach “da geht noch mehr”, propagiere ich die totale Mediatisierung einer Modenschau. Wie könnte ein solches Medienprojekt konkret aussehen? Medienprojekt jetzt.

Modenschau_Logo

Da im medienwissenschaftlichen Studium ein Medienprojekt vorgesehen ist, bestünde doch die Möglichkeit von Synergien. Die Modedesigner konzentrieren sich auf ihre Kernkompetenz, der Produktion und Entwicklung innovativer Mode, während eine Gruppe von circa zwanzig Medienwissenschaftlern im Rahmen eines Projektes die Modenschau bewirbt. Angefangen damit, dass ein Promovideo ins eigens kreierte Modeweblog gestellt wird. Dort sind auch sämtliche Informationen rund um die Kollektionen der Diplomanden zu finden. Zu jeder Kollektion werden beispielsweise sogenannte Audioblogs angelegt.
Einmal von dieser Idee angefressen, werde ich für eine solche Kooperation zwischen dem Fachbereich Modedesign der FH Trier und dem Fachbereich Medienwissenschaft der Uni Trier im Rahmen eines Medienprojektes im Sommersemester 2008 bei den Verantwortlichen werben. Zunächst gilt es allerdings ein entsprechendes Konzept auszuarbeiten. Wer dazu Lust und Interesse hat, der möge sich doch in den Kommentaren verewigen… ;)

Zum Abschluss noch ein paar Glanzphotos vom Captain, dem mein herzlichster Dank für die genialen Schnappschüsse gilt.

edit_img_0018.jpg
Photo: Marat Schacht

edit_img_0061.jpg
Photo: Marat Schacht

edit_img_0129.jpg
Photo: Marat Schacht

edit_img_0217.jpg
Photo: Marat Schacht

edit_img_0272.jpg
Photo: Marat Schacht

7 Reaktionen zu “Gelungene Mediatisierung der FH-Modenschau”

  1. Vitorio

    Schöner Artikel, Johannes! Die Idee Medienwissenschaftler und Modedesigner zusammenarbeiten zu lassen finde ich hervorragend. Wenn man das Beispiel Mewinale nimmt, sieht man ja, wieviel die Mewis aus einer Location wie der Produktion rausholen können.
    Da bin ich ja mal gespannt, wie’s nächstes Jahr aussieht auf der Modeschau…

    Gruß,

    Viktor

  2. Captain Kamtschatka

    Das war ein klasse Event: die Modeschau, das Drumherum Backstage, das Anstoßen mit der Siegerin, die Aftershow Party,….die Kopfschmerzen am nächsten Morgen. :D
    Das mach’ma’ wieder!

  3. Georg

    Erstmal Glückwunsch zum neuen Weblog!

    Ich find, eine Zusammenarbeit mit den Modedesignerninnen wäre auch gar nicht mal so schlecht. Aber irgendwie hab ich Zweifel, dass es die Aufgabe von MedienWISSENSCHAFTLERN sein soll, ein halbkommerzielles Event medial aufzuwerten.

    1) Ist das nicht eher die Aufgabe von Mediendesignern? Wo bleibt da der wissenschaftliche Anspruch? Die Mewinale hat in dem Zusammenhang auch nicht viel mit Medienwissenschaft zu tun.

    2) Ich hab Zweifel am schöpferischen Aspekt. In dem wir nur eine Sache audiovisuell verpacken, schaffen wir ja nichts neues, sondern verschönern nur. Wo ist der Medien-Wissen-SCHAFFENDE Aspekt?

  4. Joana

    Ich melde mich doch dann auch gleich mal ganz untypischerweise zu Wort! Ich habe bezüglich der Modenschau keine so großen Bedenken. Das Medienprojekt ist ja schließlich (wie der Name schon sagt) praktisch ausgerichtet. Ich sehe diese Aufgabe nicht aus der rein “medienwissenschaftlichen” Perspektive, sondern vielmehr aus der journalistischen. Oder haben wir mit unseren Audiobeiträgen über den Petrisberg nicht auch eine Art “Promo” gemacht? Ich denke, dass es völlig legitim ist in dem Medienprojekt das zu tun, was jeder Journalist tun würde. Über eine Veranstaltung zu berichten, Leute zu interviewen und Leser zu mobilisieren.

  5. Michael

    Zuerst das Wichtigste: Sehr schick, die neue Blog-Heimat. Und die Fotos von Marat find ich auch große Klasse!

    Aber nun zur Thematik:
    Mal ganz davon abgesehen, dass mich die letzte Modenschau - und ihr Klientel (wir erinnern uns an die Mallorca-Geschichte!) nicht vom Hocker gerissen haben, geht’s mir genau wie Georg:

    Ich habe keine Lust auf Promotion. Erst recht nicht von einer Modenschau. Mit Journalismus hat es in meinen Augen jedenfalls nicht viel zu tun, wenn man in Weblogs und Podcasts eine Modenschau bewirbt (oder “mediatisiert”, was auch immer das heißen mag). Und mit Wissenschaft noch weniger. Wie du selbst schreibst:

    Die Modedesigner konzentrieren sich auf ihre Kernkompetenz, der Produktion und Entwicklung innovativer Mode, während eine Gruppe von circa zwanzig Medienwissenschaftlern im Rahmen eines Projektes die Modenschau bewirbt.

    Heißt das umgekehrt, dass meine Kernkompetenz darin liegt, Sachen zu bewerben?

    Was anderes wäre das Projekt am Ende nicht. Und Journalismus auf keinen Fall. Oder würdest du einen ehrlichen, negativen Artikel über eine misslungene Kollektionen schreiben und deinem Projektpartner damit in Ungnade stürzen? Sicher nicht. Dein Projekt wäre pure PR. Das muss kein Hindernis sein - für Ruwer-Radweg und Petrisberg gilt das schließlich auch. Aber man sollte das Ergebnis dann nicht als Journalismus titulieren - erst recht nicht als Medienwissenschaftler.

    Dann auch noch die totale Mediatisierung zu propagieren und eine mediale Inszenierung zu fordern, das finde ich vom Sprachgebrauch her einfach gnadenlos daneben. Medienprojekt jetzt! - das klingt ja fast nach einer Sammlung fürs Winterhilfswerk. Hier greifst du (wahrscheinlich unfreiwillig) in die Phrasenkiste eines großen Propagandisten, der ganz andere Sachen totalisiert hat. Hätte man das nicht etwas dezenter formulieren können?

  6. Georg

    Hast recht, Joana.

    Der Beitrag von Johannes war so lang, da hab ich glatt den letzten Abschnitt überlesen. Nee, so würde das auf jeden Fall Sinn machen!

    Bei “totaler Mediatisierung” hab ich einfach mehr an eine perfekte Party-Event-Gestaltung gedacht, was der Medienwissenschaft nicht gerecht geworden wäre.

  7. Johannes Pütz

    Da der von mir verwendete Begriff der totalen Mediatisierung hier offenkundig selbst von Medienwissenschaftlern falsch verstanden wird, zitiere ich diesbezüglich zum besseren Verständnis aus einem Artikel des Medienwissenschaftlers Reinhard Braun: Mediensysteme als mentale Systeme. In: Medien.Kunst.Passagen 04/92, Passagen: Wien 1992.

    Das Spiel von Sichtbarkeit und Sichtbarmachen scheint angesichts der totalen Mediatisierung zu delirieren: es sind nicht mehr die sichtbaren Dinge, ihre Konstellation, ihre Seltenheit oder dergleichen, die die fotografische Repräsentation evozieren - der fotografische Diskurs selbst generiert die Bilder, die Fotografie wird zunehmend selbstreflektiv und, wichtiger, hat längst das Subjekt, den Produzenten der Bilder, infiziert. Der Diskurs des Visuellen, in Gang gebracht durch die massive Verbreitung der Fotografie, ist zu einem kulturellen Diskurs geworden, die gesamte subjektive Wahrnehmung erfolgt durch die Blende dieses Diskurses; wie die Natur eine Fiktion, ein artifizieller Antipode ist, stellen Visualisierung und Repräsentation nur mehr Fiktionen einer stabilen Ordnung der Dinge und ihrer Wahrnehmung/bildlichen Aneignung dar.

Einen Kommentar schreiben

du mußt angemeldet sein, um kommentieren zu können.