Keunergeschichten II: Der hilflose Knabe


Zum Todestag von Bert Brecht, einem großen deutschen Dichter
- Herr K. sprach über die Unart, erlittenes Unrecht stillschweigend in sich hineinzufressen, und erzählte folgende Geschichte: »Einen vor sich hin weinenden Jungen fragte ein Vorübergehender nach dem Grund seines Kummers. ›Ich hatte zwei Groschen für das Kino beisammen‹, sagte der Knabe, ›da kam ein Junge und riß mir einen aus der Hand‹, und er zeigte auf einen Jungen, der in einiger Entfernung zu sehen war. ›Hast du denn nicht um Hilfe geschrien?‹ fragte der Mann.
›Doch‹, sagte der Junge und schluchzte ein wenig stärker. ›Hat dich niemand gehört?‹ fragte ihn der Mann weiter, ihn liebevoll streichelnd. ›Nein‹, schluchzte der Junge. ›Kannst du denn nicht lauter schreien?‹ fragte der Mann. ›Nein‹, sagte der Junge und blickte ihn mit neuer Hoffnung an. Denn der Mann lächelte. ›Dann gib auch den her‹, sagte er, nahm ihm den letzten Groschen aus der Hand und ging unbekümmert weiter.«
in: Brecht, Bert [1971]: Geschichten vom Herrn Keuner. Suhrkamp Verlag. Frankfurt am Main, S. 22.
Wer wie ich an die individuelle Freiheit in einer sozialen Demokratie […] glaubt, dem bleibt in Anlehnung an Brechts gesellschaftskritische Parabel vom hilflosen Knaben gar keine Alternative als “sich in die eigenen Angelegenheiten einzumischen”, wie Max Frisch es an anderer Stelle einmal formuliert hat.
- Der Mut und die Möglichkeit, Veränderung gemeinsam mit zu gestalten, ist für mich Ausdruck dieser individuellen Freiheit, die einer Demokratie wie der unsrigen zwar einerseits gesetzlich garantiert wird. Statt vor komplexen Problemen und schwierigen Aufgaben zu resignieren, gilt es andererseits eben auch diese Freiheit tagtäglich faktisch in gemeinschaftlichem Handeln zu realisieren. Dabei zeigt sich mir, dass sich Engagement letztlich doch auszahlt. Beispielsweise in einer ideelen und für unseren Studiengang konkret monetären Weise. Ein kleiner Schritt für die Trierer Medienwissenschaft. Aber eben ein entscheidender auf einem wichtigen Weg!
Eben erreichte mich eine Mail aus der Medienwissenschaft von Brigitte Braun, die sich für unser diesbezügliches Engagement hier und hier bedankte. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Sowas bestärkt und baut auf. Herzlichen Dank! ![]()

