Was bin ich?

Heute morgen bin ich wieder in den Luxus gekommen, beim Frühstücken in einer Tageszeitung zu schmökern. Seit gestern habe ich die Frankfurter Rundschau mal probeweise abonniert. Im neuen Tabloidformat ist sie sehr publikumsfreundlich gestaltet. Im Inhaltsverzeichnis wurde ich sofort auf die Ödipus-Serie in der Rubrik Wissenschaft & Bildung auf Seite 14 aufmerksam. Der Psychoanalytiker Micha Hilgers schreibt hier einen äußerst interessanten Artikel über Identitäts- und Sinnsuche von jungen Erwachsenen. “Auf der Suche nach sich selbst” ist eine kleine wissenschaftliche, dennoch - wie ich finde - amüsant geschriebene, Abhandlung über die Probleme, die sich uns allen stellen, wenn es darum geht, dass individuelles Leben glücken soll.

Max Frisch
Quelle: Portrait aus dem Max Frisch Archiv der ETH Zürich

Max Frisch hat es in ‘Mein Name sei Gantenbein‘ einmal so formuliert: “Es ist nicht die Zeit für Ich-Geschichten. Und doch vollzieht sich das menschliche Leben oder verfehlt sich am einzelnen Ich, nirgends sonst.

Das Identitätsproblem ist eines, ja wenn nicht das zentrale Leitthema Max Frischs. Es spiegelt eine thematische Einheit seines Werks wider. Der Schriftsteller hat stets in Interviews darauf beharrt, dass er sich mit diesem, seinem ‘Warenzeichen’ nicht identisch fühle. Dies wirkt in der Retroperspektive der Gesamtrezeption seines Werkes nicht erst seit Montauk bisweilen wie das gebetsmühlenhafte Beteuern eines seiner Protagonisten: “Ich bin nicht Stiller!“.

Wer schreibt, schreibt letztlich doch über das, was ihn bewegt. Und was unser Leben berührt, ist meiner Ansicht nach zwangsläufig autobiographisch geprägt.

Eine Reaktion zu “Was bin ich?”

  1. Rike

    Abgesehen davon, dass ich mit Max Frisch noch nie sonderlich viel anfangen konnte - dazu haben mir die Bücher, die ich von ihm kenne, einfach viel zu wenig gegeben, weder positiv noch negativ….
    Also abgesehen davon finde ich den Artikel in der Frankfurter Rundschau doch ein bisschen sehr negativ. Wieso denn immer alles aufs Sterblichsein, auf die Endlichkeit beziehen? Ich werde erwachsen, wenn ich mir meiner eigenen Endlichkeit bewusst werde? Das heißt, ich werde erst erwachsen, wenn ich ans Sterben denke? Och nööö, danke. Wenn ich einen Moment, ganz egal welcher Art, genieße, dann ist doch nicht irgendwo als Basis immer der Gedanke an meine Endlichkeit?! Ich glaube, Leben im Jetzt ist der passende Ausdruck für das, was ich meine.
    Und sowieso und überhaupt: Warum soll man denn die ganze Zeit überlegen, wer man denn nun eigentlich überhaupt ist? 1. verändert man sich doch ohnehin ständig und 2. wo bleibt dann die Zeit zum LEBEN?

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