Wie ein Blinder vom Sehen
schreibt Johannes Boie über die Netzkultur und bricht die alte Diskussion »Qualitätsjournalismus versus Meinungsblogging« hier und hier in der Wochenendausgabe der Süddeutschen vom Zaun.
Zu gerne möchte ich mich ja inhaltlich mit dem SZ-Artikel von Herrn Boie auseinandersetzen. Wer aber gleich zu Beginn mit Plattitüden wie
“Ein Einblick in geschlossene Gesellschaften und irrelevantes Geschwätz, das niemand liest”
aufmachtpauschalisiert und immer noch - nach all den unzähligen, unfruchtbaren Diskussionen »Qualitätsjournalismus versus Meinungsblogging: wir sind die Guten, Ihr seid die Schlechten«, sich schlichtweg - wider besseres Wissen, was ich dem geschätzten Herrn Boie doch mal unterstellen möchte - weigert von der im klassischen Journalismus scheinbar weitverbreiteten Doktrin abzuweichen, dass es sich bei Blogs nur um
“Tagebücher, denen jede gesellschaftliche Relevanz fehlt”, handele.
Zu dem kommt es mir jedenfalls so vor, als schreibe mit Herrn Boie bereits hier jemand über Netzkultur, der vom Bloggen wahrscheinlich soviel versteht, wie der Blinde vom Sehen.
Das solche Journalisten in einem vermeintlichen Qualitätsmedium überhaupt eine Plattform für ihre unausgegorene Meinungspublizistik bekommen, zeugt von einer latent ausgeprägten, hoffnungslosen Selbstüberschätzung nicht weniger “Randfiguren der holzverarbeitenden Industrie”. Ausnahmen mögen hier wieder die Regel bestätigen. Um nicht in das von Boie vorgemachte Schwarzweißdenken zu verfallen…
Hinweis: dieser Beitrag wurde hier, hier und hier zunächst als Kommentar gebloggt.

Am 15. August 2007 um 14:21 Uhr
Zuerst ein mal muss ich klar stellen, dass ich zu faul war den Artikel der Heulboie aus purer Faulheit nicht gelesen habe und mich somit auf deinen Kommentar berufen muss ;).
In die Ecke getrieben versucht nun also die vermeintliche Qualitätsjournaille das Phänomen Bloggen als minderwertig und uninteressant darzustellen. Sicher, Journalisten sind darauf angewiesen, dass man ihr Zeugs liest denn damit verdienen sie bekanntlich ihr Brot. Insofern ist es nur verständlich, dass Boie gegen die Konkurrenz schießt. Allerdings kann die Journaille das “Problem” eigentlich recht einfach selbst lösen. Nämlich indem sie nicht so viel Unrat verzapfen wie dies im Moment geschieht. Ich frage mich worin der Grund besteht dem Thema Blogging überhaupt Platz in einer Qualitätszeitung zu würdigen wenn man es doch eh als gesellschaftlich unrelevant, eine These die kein einziger Sozialhistoriker so unterschreiben würde fehlt. Boies Pamphlet is somit eischentlisch also nur n schnellschuss gegen die bösen Massen, die zu dumm zum Schreiben sind aba gut genug dafür ihm sein Königsschloss zu finanzieren. Son Dösbaddel, die Boie!