«Wenn Sport der Bruder der Arbeit ist, dann ist Kunst die Cousine der Arbeitslosigkeit»
Das von Thomas Kapielskis adaptierte Motto der Berliner Band Die Türen zeugt von ihrer tiefen Verwurzelung im Alltag und ist alles andere als glamourös. So drückt der Song eine universelle Sehnsucht nach dem schier unerschöpflichen Abenteuer in der urbanen Metropole Indie Stadt aus, die viele dorthin treibt, wo sich ihre Träume und Sehnsüchte abspielen. Ja, wo der Herzschlag der Zeit pulsiert und Du Dir plötzlich nicht mehr als Gast in Deinem eigenen Leben begegnest; sondern auf Menschen triffst, in denen Du Gleichgesinnte erblickst - ohne großartig nach ihnen gesucht zu haben.
“Wer wächst eigentlich in Deutschland nicht in irgendeiner ländlichen Provinz auf? Fragt man Menschen in zum Beispiel Hamburg, München oder Berlin nach ihrem Geburtsort scheint die Antwort klar: Keiner. DIE TÜREN sind selbst in der westfälischen Provinz groß geworden und leben seit Jahren in Berlin, um dort festzustellen das Berlin wiederum aus verschiedenen provinziellen Gruppierungen besteht: den Pfälzern, den Schwaben, den Badensern, den Westfalen, den Designern, den Mitte-Leuten, den Kreuzbergern usw. Die Türen glauben aber immer noch an eine urbane Metropole in Deutschland: “Indie Stadt”: Weltoffen, herzlich, freundlich, neugierig, kommunikativ, sexy und vor allem eins: nicht ignorant.
Dieser Song ist eine musikalische Postkarte. Eine Postkarte aus den Planet-Roc-Studios in Berlin-Köpenick.
Denn hier haben DIE TÜREN ihr neues Album aufgenommen.
Es ist das erfrischenste, sprachwitzigste, rockenste, groovende Rhythm & Blues-Album in deutscher Sprache seit Jahren geworden. Als hätten sich Curtis Mayfield, Eric Burdon, Rio Reiser und Udo Lindenberg in den 70er Jahren zusammen überlegt wie eine Band denn in der Zukunft so klingen könnte.
Liest man ein Werk von Max Frisch, so beschleicht einen stets der Verdacht, dass man ein Eindringling in der von Frisch gedachten Szenerie ist. Er lässt Dich teilhaben an seiner Kunst der versteckten Klarsicht, seines stream of consciousness. Doch die Gedanken führen niemals hinter die von ihm errichtete Barriere; seine Technik scheint stets bedacht und gewillt, den Leser zu schonen, ihm die schwärzesten Abgründe zu ersparen. Man kann zwar hineinschauen, das Hineinfallen bleibt jedoch aus, ist es doch Frisch, der uns an die Hand nimmt und uns den Abgrund entlang führt.
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Ganz anderes bei Kafka. Er versucht uns gar nicht zu schonen, im Gegenteil, man ist bereits über die Klippe hinausgegangen und fällt in einen gähnenden Abgrund, der uns unweigerlich Zugriff auf das Innerste gewährt. Er schont uns nicht, er kaschiert nicht, er ist frei von jeglicher Hemmschwelle. Man könnte sagen: «Liest man einen Kafka, so ist es bereits zu spät zum Entkommen». Man begegnet dem inneren Pan, er führt einen tiefer und tiefer ins Labyrinth, in welchem der Leser eine leichte Beute des Minotaurus wird.
Microblogging ist das Buzzword 2.0. Die einen machen es im Studivz, die anderen haben für sich eine der größten Online-Communities der Blogosphäre entdeckt: Twitter. Hier habe ich zum ersten Mal davon gehört. Bahnt sich dort gar ein Strukturwandel der Blogosphäre an? Vielleicht ein Grund, warum manche A-Blogger dieser Tage häufiger mit Microblogging in Twitter beschäftigt sind als mit neuen Beiträgen auf ihren Blogs anzutreffen sind. Geht ein Hype zu Ende und ein neuer beginnt? Bloggst Du noch oder twitterst Du schon? Ist Twitter ein Rückzug in die Anonymität oder eine neue Dimension von Öffentlichkeit 2.0? Fragen über Fragen. Grund genug, sich endlich mal mit Twitter zu beschäftigen und sich dort anzumelden. Gleich heute geht es los. Nach der Uni wird erstmal ein bisserl im Lübke gechillt, bevor dem iPhone sei dank, losgetwittert wird. Und hier zum Einstieg noch ein kleines
Heute vor einer Woche hat Steffen Büffel in Mainz auf Einladung der rheinland-pfälzischen SPD-Landtagsfraktion und des Arbeitskreises Medien und Multimedia zum Thema Web2.0 präsentiert. In seinem Vortrag hat er den rasanten Wandel in der Medienlandschaft anhand vieler anschaulicher Beispiele verdeutlicht und die sich hieraus ergebenden Chancen und Potentiale für die politische Kommunikation herausgearbeitet. Sein Vergleich mit dem user-generated fundraising des Präsidentschaftswahlkampfes in den Staaten hat aufgezeigt, dass trotz signifikanter Unterschiede zur politischen Kultur in Deutschland eine netzwerkmedienbasierte politische Kommunikation gerade auch hierzulande zusehends an Relevanz gewinnt. Mehr zum Thema ist in Steffen Büffels media-ocean nachzulesen. Bitte hier entlang.
Heute steht wiedermal ein Lesergedicht auf dem Blogprogramm. Veröffentlicht wird eins meines geschätzten Dichterkollegen Dominik Baudner, das ich nicht nur der Form wegen sehr originell finde. Um so formvollendet dichten zu können wie er, müsste meinereiner lange üben, ehe er es derart fliessen lassen kann, ohne der auszufüllenden Reimform geschuldet nachzudichten. Dominik kann jedenfalls auf artifizielle Formvarianten diverser Reimschemata zurückgreifen, welche er spielerisch von jeher internalisiert zu haben scheint. Des Dichters Handwerkszeug beherrscht der Gute par excellence. Da fällt mir ein, wie lange ich schon kein Gedicht mehr geschrieben habe. Wobei naja, also einen ganzen Monat ist es her.
Der Stein
Ein Marmorstein wächst aus der Wand
gleichsam Korallen aus dem Riff
erwartet ächzend Meisters Hand
Geburt ist fortan Todesschliff
Der Erde ist er abgerungen
verlässt das schützend Mutternest
und wird alsbald zur Form gezwungen
denn er hält Bilderwerke fest
Gemeißelt durch bekannte Qual
in stummen Schreien abgefeilt
zerstört, gehackt zum Todesmal
zum Winteracker hingeseilt
Mit tiefen Rillen durchgeschunden
markiert er letzte Ruhestätt
bezwungen nur durch Eisenwunden
bewacht sein eigen Totenbett
In schwarz gekleidet immerzu
auf krummen Wiesen aufgebahrt
gefunden seine letzte Ruh
im nassen Moose zugescharrt
Dominik Baudner, November 2007
Pütz, Johannes [2007]: Any friday: message from Julio about future. In: Jowinal[Weblog], Onlinepublikation: http://jowinal.de/restrealitat/any-friday-message-from-julio-about-future/. Abrufdatum: 19.05.2012.