Gastbeitrag: W.2be0 von Dimitar Gerganov
Zum Start von Jowinal habe ich mir als Gastbeitrag einen Blogartikel meines bulgarischen Kommilitonen Dimi, Medienwissenschaftler und Soziologe seines Zeichens, gewünscht, den er im Rahmen des Seminares Netzwerkgesellschaft und Web2.0 geschrieben hat. Dieser ist eine kleine, aber sehr feine wissenschaftliche Einführung in die weiten Welten des Netzes - insbesondere für diejenigen, die bisher wenig damit vertraut sind und allemal ein Lesegenuss für die übrigen Experten.
W.2be0
VON DIMITAR GERGANOV
Irgendwo hatte ich von einer Studie gelesen, die festgestellt hat, dass geschriebene Sätze bei beliebiger Buchstabenreihenfolge der einzelnen Wörter lesbar und verständlich bleiben, solange jeweils der erste und der letzte Buchstabe an der richtigen Stelle sind. Irgendwo? Nicht ganz. Es war auf *bpm.logs, einem Log-Dienst, der von den Nutzern der Website gelegentlich mit neuen Inhalten versorgt wird. Diese Inhalte sind vorwiegend Links zu anderen Inhalten im Netz, die das Interesse des jeweiligen Autors geweckt haben, und können von allen registrierten Nutzern öffentlich kommentiert werden.
Damals - es war vor mehr als anderthalb Jahren - habe ich die Möglichkeit “as is” angenommen und mir keine Gedanken darüber gemacht.
Als ich vor einem Jahr von einem Begriff zum ersten Mal hörte, kannte ich einen anderen schon lange. Und zwar nicht weil ich früh verstanden hatte, was für ein Digimon sich hinter “Weblog” verbirgt, sondern weil ich etwas spät von dem Web 2.0 erfuhr.
Im theoretischen Sinne.
Denn der urspüngliche Zweck des Internets ist seit seinem Anfang konstant geblieben: Vernetzung - soll es heißen. Die Personen:
Blogger / Wordpress - die üblen Geschwister
del.icio.us - die süße Tussi
AJAX - das magische Waschpulver
YouTube - der Installateur
Technorati - die Geheimgesellschaft
Last.fm - der letzte Radiosender
Mister Wong - der Chinese
Was früher nur wenige Individuen mit HTML-Kenntnissen und Hardwarekompetenzen genießen konnten, ist heute dank einer ständigen, von sinkenden Kosten und vereinfachter Bedienung geprägten Technologiediffusion ein massenhaft zugängliches Netzwerkmedium.
Damit ist offensichtlich eine kritische Masse an Nutzern erreicht worden, um den Kommunikationsprozess auf den Kopf zu stellen. Einmal die Möglichkeit erkannt, die eigenen Meinungen und Interessen frei und - wohlgemerkt - vor einem theoretisch riesigen Publikum zu äußern, können auch die Sportfreunde vor Karl-Marx-Haus ihre Stimme erheben.
Die Zusammenstellung persönlicher Lesezeichenlisten und das Kategorisieren von Beiträgen nach Themengebieten werden zur Grundlage von gesellschaftlichen Beziehunngen - on- und offline. Der Contenttruck fährt auf keiner Einbahnstraße mehr, sondern rast auf der Datenautobahn, immer öfter von den einfachen Nutzern beladen.
Erinnerst du dich an den Slogan der GeldKarte?
“Wie Kleingeld. Nur besser.”
So lässt sich auch die Relation zwischen Web 1.0 und Web 2.0 beschreiben.
